Wo die Reise still beginnt 🌸

안녕하세요, 왔습니다!

Am Sonntag geht es los: Vier Wochen in einem buddhistischen Kloster in Seoul – und zusätzlich werde ich in einer Schule mithelfen. Je näher die Abreise rückt, desto unwirklicher fühlt sich alles an. Gleichzeitig wächst die Aufregung.

Mein Koffer ist inzwischen halb gepackt. Zwischen Kleidung liegen englische Kinderbücher, die ich mitnehmen möchte, und Haribo als kleine Gastgeschenke. Irgendwie eine ganz eigene Mischung – praktisch, ein bisschen durchdacht und doch auch persönlich. Ich merke, wie sehr ich versuche, für möglichst viele Situationen vorbereitet zu sein.

In den letzten Wochen habe ich viel gelesen, mich mit Korea beschäftigt, versucht, ein Gefühl für die Gesellschaft zu bekommen. Ich habe Kontakte aufgebaut, Nachrichten geschrieben und sogar schon erste Treffen vereinbart. Rückblickend wirkt das ziemlich typisch deutsch: organisiert, geplant, wenig der Spontaneität überlassen.

Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass all diese Vorbereitung nur eine Annäherung ist. Seoul stelle ich mir als eine Stadt vor, die gleichzeitig unglaublich schnell und voller stiller Momente ist – Hochhäuser neben Tempeln, Hektik neben Rückzug. Eine Metropole, die modern und tief verwurzelt in Tradition ist.

Was ich über Korea zu wissen glaube, ist noch vorsichtig und unvollständig. Ich habe gelesen, dass Respekt und Höflichkeit eine große Rolle spielen, dass Hierarchien im Alltag präsenter sind als bei uns und dass Gemeinschaft oft wichtiger ist als das einzelne Individuum. Gleichzeitig ist das Land hochmodern, dynamisch und geprägt von einem starken Fokus auf Bildung und Leistung. All das klingt klar auf dem Papier – aber ich bin gespannt, wie es sich tatsächlich anfühlt.

Und dann ist da diese eine Sache, die mich gerade fast am meisten beschäftigt: Ausgerechnet jetzt, kurz vor der Abreise, fühlen sich all die koreanischen Wörter und Sätze, die ich mühsam gelernt habe, plötzlich an, als wären sie einfach verschwunden. Als hätte jemand einmal durchgefegt. Ich hoffe sehr, dass sie im richtigen Moment wieder auftauchen – und wenn nicht, dass ich trotzdem Wege finde, mich verständlich zu machen.

Vielleicht beschreibt genau das meine Situation gerade am besten: Ich komme vorbereitet – und merke gleichzeitig, wie wenig sich wirklich festhalten lässt.

Ein Teil von mir möchte planen, verstehen, sich absichern. Ein anderer Teil – vielleicht geprägt durch meine türkischen Wurzeln – ist es gewohnt, spontan zu sein, sich auf Veränderungen einzulassen und darauf zu vertrauen, dass sich vieles unterwegs ergibt. Wahrscheinlich werde ich genau das brauchen.

Denn wenn ich ehrlich bin, gehe ich davon aus, dass alles anders kommen wird. Und dann noch einmal anders, als ich es mir jetzt vorstelle.

Ich fahre nicht nur nach Seoul, um zu helfen oder etwas „mitzunehmen“. Ich fahre, um zu lernen, zuzuhören und mich auf etwas einzulassen, das ich noch nicht wirklich kenne. Zwischen Klosteralltag, Schule und Stadtleben hoffe ich auf Begegnungen, die mehr sind als nur Programmpunkte.

Und vielleicht ist genau das der wichtigste Teil dieser Reise: nicht alles kontrollieren zu können – und trotzdem loszugehen.

Zwischen Tempeln und Erwartungen beginnt mein Weg!